BACKDRAFT

HEINRICH LÜBER, OLAF QUANTIUS, CHANTAL ROMANI, ANINA SCHENKER, MORGANE TSCHIEMBER, NIVES WIDAUER, ANDREA WOLFENSBERGER
Kuratiert von IRENE MÜLLER

25. Mai bis 22. Juni 2008

Vernissage: Samstag, 24. Mai, 18 Uhr

Mittwoch, 4. Juni, 20 Uhr
Performance von HEINRICH LÜBER

Während der Art Basel
täglich bis 22 Uhr geöffnet

 

Bild
Nives Widauer: balanced, 2007, Videoprojektion auf Inkjet Print

 

 

Back Draft versammelt sieben künstlerische Positionen, die sich mit Verschiebung und Verdichtung, Kompression und Kondensation von Zeit, Raum und Bewegung beschäftigen. Die KünstlerInnen fokussieren verschiedene Aspekte dieses weitläufigen Themenfeldes. In ihren Arbeiten manifestieren sich vibrierende Momente und latente Spannungszustände. Sie weiten das mediale Spektrum gewissermassen programmatisch aus und untersuchen diese Phänomene sowohl in zeitbasierten Medien, als auch in installativen Arbeiten, Fotografie und Malerei.

Dem Ausstellungskonzept liegt das Bild eines physikalisch-chemischen Vorgangs zugrunde: ein scheinbar erstorbenes oder schwelendes Feuer saugt Sauerstoff an und explodiert dann mit einem Mal - ein Backdraft. Dieses und ähnliche Phänomene gehen in der Regel mit grossen Energieverschiebungen einher, Materie verändert sich innerhalb kürzester Zeit. Ein solcher Zustand ist immer latent, kippt plötzlich, verwandelt sich und bringt neue Situationen hervor. Zugleich bleibt beim Beschreiben und Reflektieren dieser Momente immer ein Gefühl der Uneindeutigkeit zurück: der Eindruck eines kurzfristigen Spannungszustandes, einer aufgeladenen, verdichteten Atmosphäre, die sich, in einem Augenblick, aus einem anderen Betrachtungswinkel wieder verändern wird.

Die Videoprojektion «balanced» von Nives Widauer ist Teil einer Werkgruppe, welche die Künstlerin als «Symbio-Screens» bezeichnet. Ein Videostill, als Inkjet Print auf Leinwand gedruckt, bildet dabei die Projektionsfläche für das Video, wobei bei «balanced» der Still dem projizierten Video entstammt. Dieses zeigt den Flug eines Skiispringers: der Körper steigt in die Luft, erreicht den Punkt auf seiner Flugbahn, ab dem er wieder zu sinken beginnt – und bewegt sich wieder rückwärts. Gefangen in seiner Vorwärts- und Rückwärtsbewegung erreicht der Schispringer nie den Boden. Während kurzer Momente in diesem Bewegungskreislauf decken sich die Figur des Schispringers im Video und diejenige im Videostill, die Silhouetten sind für Sekundenbruchteile kongruent. Danach gleitet der Schispringer wird weiter auf seiner Bahn, während die Figur im Videostill gleichsam als Schatten, als Abdruck seiner Präsenz zurückbleibt.

Die Fotoarbeit «Bach» von Andrea Wolfensberger besteht aus einer Vielzahl von Einzelaufnahmen eines Bachlaufs, die so aneinander montiert sind, dass auf 4 Meter Länge ein grösserer Streckenabschnitt des Wassers und der Uferböschung überblickt werden kann. Im harten Schwarz-weiss der Fotografie summieren sich die einzelnen «Naturabbilder» jedoch nicht zu einer harmonischen Gesamtansicht eines fliessenden Gewässers, sondern bleiben einzelne still gestellte Momente einer an sich als Bewegung wahrgenommenen Erscheinung. Obwohl man weiss und auch sieht, dass der Bach eigentlich fliesst, stellt sich beim Abschreiten der langen, schmalen Fotografie der Eindruck von Bewegung gerade nicht ein. Vielmehr sucht man permanent nach Halt, nach Bezugspunkten in einem Bild, dessen perspektivische Konstruktion sich keiner gesamthaften Ansicht unterordnet, sondern immer nur abschnittsweise «funktioniert» und so seine «Panoramaansicht» unterwandert.

Unterstützt durch die Georges und Jenny Bloch-Stiftung, die Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung und die Dr. Georg und Josi Guggenheim Stiftung


Für den Ausstellungsraum Klingental organisiert von Thomas Heimann.

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